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Retro-Gem: Elemental Gimmick Gear (Dreamcast)

Der Dreamcast hatte es nie leicht. Segas letztes Heimkonsolen-Experiment lebte gerade mal zwei Jahre auf dem westlichen Markt, bevor der Stecker gezogen wurde — zu früh, um sein volles Potenzial zu entfalten, und früh genug, um viele seiner besten Spiele in der Versenkung verschwinden zu lassen. Elemental Gimmick Gear, kurz E.G.G., ist eines davon. Ein Spiel, das die meisten Dreamcast-Fans nie gespielt haben — und das ist wirklich schade.

Das Spiel erschien 1999, früh in der kurzen Lebenszeit der Konsole, und stammt vom Studio Birthday in Zusammenarbeit mit Hudson Soft. Die Geschichte klingt erstmal seltsam: Archäologen entdecken einen über 5.000 Jahre alten Mechanismus — einen eiförmigen Kampfroboter samt Pilot, eingefroren in der Zeit. Man baut ihn nach, nennt das Ding E.G.G., und dann übernehmt ihr das Steuer. Was folgt, ist ein Action-RPG, das stilistisch irgendwo zwischen einem frühen Zelda und einem handgezeichneten Bilderbuch liegt.

Bewegte Bilder, die sich anfühlen wie Aquarelle

Was E.G.G. sofort auszeichnet, sind die Grafik und die Atmosphäre. Die 2D-Karten mit ihren vorgerenderten, handgezeichneten Hintergründen sehen aus wie Gemälde, die lebendig geworden sind — ein Stil, der auch heute noch funktioniert und etwas hat, das viele zeitgenössische Indie-Spiele bewusst anstreben. Die Bewegungen eures Robots sind dabei angenehm flüssig, der Controller reagiert präzise. Man merkt, dass hier Sorgfalt drinsteckt.

Gameplay-technisch erkundet ihr Dungeons aus der Vogelperspektive, löst Umgebungsrätsel und kämpft gegen Bosse in gelegentlich 3D-gerenderten Sequenzen. Das Spiel ist kein leichtes — die Kämpfe fordern euch, und wer ungeduldig vorprescht, wird bestraft. Wenn ihr aber bereit seid, euch auf das Tempo einzulassen und Räume sorgfältig zu erkunden, belohnt E.G.G. das mit einem konstant befriedigenden Spielgefühl. Es ist das nächste, was der Dreamcast einem 2D-Zelda kam.

Nicht alles ist perfekt: Die Erzählung bleibt etwas spröde, und manche Designentscheidungen verraten, dass es ein früher Erstling war. Aber das ist kein Grund, es links liegen zu lassen — es ist Grund genug, es mit den richtigen Erwartungen anzugehen. E.G.G. ist kein episches Meisterwerk, sondern ein kleines, eigenständiges Spiel mit echtem Charakter und einer Handschrift, die man nicht vergisst.

Wenn ihr eine Dreamcast noch irgendwo im Keller habt oder über Emulation spielt: Gebt Elemental Gimmick Gear eine Chance. Es ist eines jener Spiele, das euch daran erinnert, warum die späten Neunziger so eine fruchtbare Zeit für kreative Ideen waren — bevor die Industrie wusste, was sich verkauft und was nicht.

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